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Wolfgang Sacher weiß, dass ein Wimpernschlag über Wohl und Weh entscheiden kann. Denn es sind oft Sekundenbruchteile, die ihn vor der Konkurrenz siegreich durchs Ziel fahren lassen. Ebenso waren es nur Sekundenbruchteile, die sein Leben im April 1983 sprichwörtlich blitzartig veränderten. Mit seiner Clique hatte er auf einem stillgelegten Güterbahnhof gespielt, als er beim Erklettern eines Waggons in das Spannungsfeld einer 16000-Volt-Oberleitung geriet. Es dauert viele Jahre, bis Wolfgang Sacher den Verlust des linkes Armen sowie mehrerer Zehen akzeptiert und beginnen kann, den psychischen Schaden zu verarbeiten. Dabei half die Liebe zu seiner heutigen Ehefrau ebenso wie der Sport, der aus einem überredeten Hobbyradler einen überzeugten Weltklasse-Radfahrer werden ließ.
15 Jahre nach dem Unfall sitzt Wolfgang Sacher zum ersten Mal auf einem Rad, um an einer Ausfahrt teilzunehmen: Sein Bruder konnte ihn zur Teilnahme an der Pfaffenwinkel-Rundfahrt überreden. Gleich 170 Kilometer absolvierte der heute als „einarmiger Bandit“ bekannte Radsportler ohne Probleme. Damit war der Ehrgeiz des damals 31-Jährigen geweckt. Zwei Jahre später bestritt er sein erstes Einzelzeitfahren. In den
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folgenden Jahren entwickelt sich Wolfgang Sacher derart gut, dass er nach zahlreichen Siegen im Feld gesunder Radsportler in den Landeskader Radsport des Behinderten- und Versehrtensportverbands Bayern aufgenommen wird. Das Training trägt Früchte: Nachdem er beinahe an seinem Schicksal verzweifelt wäre, wird Wolfgang Sacher mehrfacher Deutscher Meister, gewinnt zwei Mal den Europacup, holt WM-Gold auf der Straße und krönt seine Laufbahn mit Bronze und Silber auf der Bahn sowie Gold im Einzelzeitfahren bei dem Paralympics 2008. Diese gilt es, bei den 2012er Spielen in London zu verteidigen.
Auf seinen speziell für sein Handicap umgerüsteten MERIDA-Rädern ist Wolfgang Sacher auf gutem Kurs, dieses Ziel zu erreichen. Im Juli 2011 wurde er erneut souverän Deutscher Meister auf der Straße, weitere Etappen auf dem Weg zu Edelmetall in Großbritannien sollen die Form weiter festigen. Zwischendurch hatte der sympathische Weltklasse-Athlet sogar noch Zeit, sein Leben in Worte zu fassen: „Der einarmige Bandit“ erzählt auf 240 Seiten, wie sich der Mensch Wolfgang Sacher seinem Schicksal stellt und als Sportler zeigt, dass es der Wille ist, der Menschen leben lässt.
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