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BIKE 10/2016
MERIDA BIG.NINE TEAM

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BIKE 10/2016
MERIDA BIG.NINE TEAM

„Merida Big.Nine, das steht sozusagen als Synonym für den Cross-Country-Rennsport. Unzählige Male wurde dieses Carbon-Hardtail von José Antonio Hermida, Gunn-Rita Dahle Flesjå und dem Rest des Merida-Werksteams über die Rennstrecken dieser Welt gejagt. Der Produkt-Lebenszyklus des alten Carbon-Rahmens war dabei mit fünf Jahren erstaunlich lange. Zuletzt war aber vor allem das Rahmengewicht von 1341 Gramm nicht mehr zeitgemäß. Die logische Konsequenz: Ein neuer Rahmen musste her.

Das 2017er-Kohlefaser-Chassis verzichtet auf sämtliche Alu-Einlagen an Tretlager und Bremsaufnahme, in der Team-Version fällt sogar die Montagemöglichkeit für den Umwerfer weg, um Gewicht zu sparen. Das Ergebnis der konsequenten Diät kann sich sehen lassen. Federleichte 878 Gramm bringt der Rahmen auf die Waage. Das 2017er Komplett-Bike ist sogar ein ganzes Kilo leichter als sein Vorgänger. Neben dem Rahmen sparen vor allem eine neue Gabel, Bremsen und Laufräder das restliche Gewicht ein. Auf unserer Testrunde giert das 8,55 Kilo leichte Hardtail nach jedem Höhenmeter. Auch das 2016er-Modell lässt sich angenehm bergauf treten, aber mit der Zwölffach-Schaltung hält sein Thronfolger einfach einen leichteren Gang für steile Anstiege parat. Die Sitzposition fällt beim neuen Modell deutlich sportlicher aus, denn der Reach wächst um satte 23 Millimeter. Allerdings wird der längere Hauptrahmen durch einen etwas kürzeren Vorbau zum Teil kompensiert. Überhaupt verbessert das neue Cockpit das Handling des Big.Nine ungemein, denn auch der Lenker wird 20 Millimeter breiter. Extrem direkt und wendig steuert die Race-Feile so über die Trails. Die kurzen Kettenstreben laden zum Drift um die Kurven oder zur Fahrt auf dem Hinterrad ein. Auf der Testrunde können wir uns nicht daran erinnern, wann Hardtail-Fahren zuletzt so viel Spaß gemacht. Nicht, dass uns das 2016er-Modell die Lust am Mountainbiken verdorben hätte, aber sein Nachfolger ist einfach in allen Bereichen konsequenter umgesetzt. Weder bergauf, noch bergab zwingt einem das 2017er-Big.Nine Kompromisse auf. Selbst die 30,9 Millimeter dicke Sattelstütze bietet dank flachem, kobraartigem Kopf mehr Komfort als die alte 27,2-Millimeter-Variante und kann sogar durch eine gängige Teleskopstütze ersetzt werden.

Dennoch, eine kleine Träne rollt uns auch beim neuen Big.Nine über die Backe. Mit Rock Shox‘ neuer Sid-Gabel müssen wir vom über die Jahre lieb gewonnenen X-Lock-Hebel Abschied nehmen. Der hydraulische Lockout-Knopf mit Kugelschreibermechanismus war bei seiner Einführung vor Jahren zukunftsweisend, stets leicht zu bedienen und konnte dezent mit Sram-Brems- oder Schalthebel kombiniert werden. Das neue Lockout funktioniert wieder mit einem Schaltzug, wirkt etwas plump und bleibt manchmal hängen. Dafür hat die Gabel jetzt eine separat einstellbare Druckstufe. Auch die neuen Sram-Level-Bremsen bei0en nicht ganz so fest zu wie die Guides mit ihren vier Kolben am alten Big.Nine.

 

FAZIT Ludwig Döhl, BIKE-Testredakteur
Wer hätte gedacht, dass uns ausgerechnet ein neues Hardtail so vom Hocker haut. Eine Spezies, von der man glaubte, sie sei längst ausgereift. Merida stellt mit dem neuen Big.Nine einen Racer auf die Beine, der auch auf normalen Touren verdammt viel Spaß macht. Der Preisunterschied von über 1000 Euro macht aber auch das Auslaufmodell attraktiv.

 

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